Free Burma
Da die deutschen Medien enttäuschend wenig zu der tragischen Entwicklung in Burma berichten, muß man sich selber informieren. Ein guter Startpunkt dazu ist die Linkseite von www.free-burma.org.
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Die südindische Großstadt Madras hat sich vor einigen Jahren in Chennai umbenannt, um ihre lokale Identität zu stärken und sich vom prägenden britischen Kolonialerbe zu emanzipieren. Dieses Erbe ist überall im Stadtbild von Madras präsent, in den unzähligen Alleen und Prachtbauten im "indosarazenischen" Stil wie dem oberste Gerichtshof:
oder diesem Kaufhaus in der früheren Mount Road:
Die drolligen Zwiebeldächer und Minarette des indosarazenische Baustil sind ein Versuch, den integrativen Charakter der britischen Kolonialpräsenz hervorzuheben, oder anders ausgedrückt, den Aspekt der Fremdherrschaft zu kaschieren.
Unter den indischen Großstädten liegt Chennai (hinter Neu-Delhi und vor Bangalore und Bombay) auf Platz 2, was den Lebensstandard angeht. So finden sich einige verträumte Ecken zwischen den mit Autos, Autorikschas und Bussen überfüllten Straßen:
Es gibt hier eine uralte christliche Religionsgemeinschaft, die direkt auf den Apostel Thomas zurückgeht, der im 1. Jahrhundert in Südindien, zunächst an der Westküste, später hier an der Ostküste missionierte. Ihm ist die große St-Thomas-Kathedrale gewidmet:
Die katholische Kirche versuchte im 16. und 17. Jahrhundert eine Art feindliche Übernahme der Thomaschristen-Gemeinde, nachdem diese sich im 9. Jahrhundert der syrischen Kirche angeschlossen hatte. Die Übernahme scheiterte, und man ist sich bis heute nachtragend. Papst Benedikt bezweifelt die Gründung der Gemeinde durch Apostel Thomas, obwohl alle Fakten dafür sprechen. Laut Überlieferung wurde Thomas auf einem kleinen Hügel am Rande der Stadt hingerichtet, angeblich weil er die Frau des hiesigen Herrschers missioniert hatte. Auf dem nach ihm benannten Hügel steht heute eine kleine portugiesische Kirche, die von vielen christlichen und auch hinduistischen oder gar ungläubigen Pilgern besucht wird.
Der Ausdruck "Curry" kommt vom tamilischen Wort Kari, das allgemein ein Hauptgericht mit Reis bezeichnet. In Tamil Nadu an der indischen Südostküste ißt man meist vegetarisch, aber auch gerne Coastal Curries: Fishcurries mit rotbrauner, pikanter, schwerer Tamarinden-Sauce. Der Fisch wird vom Catch of the Day ausgewählt:
Als Beilage wird das Fladenbrot Naan serviert, gelbe und schwarze Linsen (Dal), verschiedene Pickles (scharf eingelegte Gemüse),
Coriander Chutney (mit etwas Kokosnuß und Zitrone), hier links auf der Selektion vom Frühstücksbüffet:
Oben in der Mitte der von mir besonders geschätzte indische Kartoffelsalat mit Zwiebeln, Linsen und Senfkörnern.
Das bei uns bekannte gelbe Curry-Gewürz ist ein Export-Artikel, und in Indien selbst nicht gängig:
Curry powder, also known as masala powder, is a spice mixture of widely varying composition developed by the British during the Raj [der Kolonialherrschaft] as a means of approximating the taste of Indian cuisine at home (Wikipedia).
Neben der antiken Bildhauerschule gibt es in Mamallapuram auch eine "Schule der Architekten". Fünf Rathas stehen hier, im 7. Jahrhundert aus rohem Fels gehauen, jeder in einem anderen Stil. Sie sind nicht begehbar, sondern massiv und dienten als architektonische Vorlage für unzählige Tempelbauten in Südindien.
In der Antike hatte Südindien umfangreiche Handelsbeziehungen mit dem römischen Reich. Bereits zur Zeit des Augustus fuhren jedes Jahr 120 Schiffe durchs rote Meer und dann mit dem Sommermonsunwind in 40 Tagen von Afrika nach Indien. Der römische Einfluß hat sich bis in unsere Zeit in der hiesigen Architektur erhalten, wie man unschwer an diesem Haus eines reichen tamilischen Kaufmanns, erbaut im Jahr 1895, erkennen kann.
Die arme Bevölkerung wohnt dagegen bis heute in einfachen Hütten:
"Big Four" werden die vier gefährlichen Giftschlangen genannt, auf die der Großteil der 20-50.000 jährlichen Todesfälle durch Schlangenbisse in Indien zurückgehen: die Kettenviper, die Sandrasselotter, die Krait und die Kobra. Nach dem 1972 die Schlangenjagd durch ein neues Tierschutzgesetz verboten wurde, standen viele der Jäger vor dem Ruin.
Eine neue Perspektive bekamen sie durch die Mitwirkung bei der Produktion von Gegengiften: sie fangen Schlangen, liefern sie gegen eine Prämie in einer Schlangenfarm ab, wo die Schlangen "gemolken" (also ihr Gift abgenommen bekommen) und anschließend wieder im Wald ausgesetzt werden. Das folgende Bild ist aus einer großen Schlangenfarm 40 km südlich von Chennai (Madras). Jeder Topf enthält eine Schlange, auf dem Tisch räkeln sich eine Viper und eine Kobra.
Das gewonne Gift wird in kleinen Mengen Pferden oder Schafen injiziert, die Antikörper produzieren. Diese Antikörper werden in einem aufwendigen Prozeß aus ihrem Blut extrahiert und als Gegengift den lokalen Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung gestellt. Bei einem Kobrabiß sollte die Behandlung mit Gegengift spätens nach 4 Stunden, bei der Viper spätestens nach einer Stunde erfolgen.
Neben der hiesigen Schlangenfarm ist eine große Krokodilzucht angesiedelt, die viele der in Indien vom Aussterben bedrohten Krokodilarten beherbergt.
Sehen sie auch noch so unsympathisch aus, man soll sie nicht mit Steinen bewerfen!
Stattdessen darf man ihre Babys auf den Arm nehmen.
Als Besucher eines südindischen Hindu-Tempels...
... erhält man zuerst eine Schnelleinführung in das Pantheon der Hindu-Götter. Diese lautet (in der hiesigen Interpretation) wie folgt: Die drei großen Götter sind Brahma (Schöpfer), Shiva (Zerstörer des Bösen) und Vishnu (Beschützer). Ihre Frauen sind Saraswati, Parvati und Lakshmi. Shiva und Parvati haben zwei Söhne, Ganesh (mit dem Elefantenkopf) und Murugan. Shivas Reittier ist der Bulle Nandi. Vishnu hatte 10 Inkarnationen, darunter Rama und Krishna.
Brahma wird wenig verehrt, angeblich, weil er sich bei einem Wettbewerb mit Shiva und Vishnu um die "Krone des höchsten Gottes" nicht korrekt verhalten hat. Die meisten Tempel sind Shiva gewidmet, wie auch der älteste Tempel Kanchipurams Kailashanata, in dem dieses Bild Shivas erhalten ist (8. Jahrhundert):
In Indien ist die Bandbreite menschlichen Verhaltens besonders groß. Man findet extreme Aufdringlichkeit neben außerordentlicher Schüchternheit, und so fort. Das gilt insbesondere für all die Priester, Gurus und heiligen Männer.
Dieser gerissene Jünger Shivas veranstaltet ein buntes Spektakel mit Zaubersprüchen, Segnungen und Pülverchen, um anschließend reichlich würdelos ein üppiges Honorar einzufordern:
Dagegen bekommt man von dem älteren Herrn unten eine kompetente und ausführliche Führung durch den kleinen Vishnu-Altars des Tempels Varadharaja Perumal, einschließlich Erläuterung aller zehn Vishnu-Inkarnationen. Seit 40 Jahren begleitet er Besucher aus aller Welt durch den Altar und steht für ein Foto zur Verfügung: "My picture in many houses from Germany to Japan". Jetzt auch in einem Blog!
In Südindien werden die sogenannten dravidischen Sprachen gesprochen. Der Dialekt an der Südostküste heißt Tamil. Das nordindische Hindi ist verpönt. Wie Finnisch und Ungarisch ist Tamil eine agglutinierende Sprache, in der ein Wortstamm mit vielen Silben "verziert" wird, von denen jede eine sprachliche Dimension wie Person oder Zeit festlegt. So entstehen Wortungetüme wie Thirukkalukundram: Dahinter verbirgt sich ein sympathisches Städtchen auf dem Weg nach der heiligen Stadt Kanchipuram, mit belebten Straßen und Tempeln:
Am Straßenrand steht eine fahrbare Pagode (für Feste und Prozessionen):
Es geht weiter vorbei an einer Zuckerfabrik, die über ein angeschlossenen "Biomass"-Kraftwerk verfügt, wo die Zuckerrohr-Abfälle in Elektrizität umgewandelt werden (vermutlich durch Verbrennung). Die Zuckerrohrtransporte ...
... verlieren unterwegs wesentliche Teile ihrer Ladung, den jeder, der an ihnen vorbeikommt, deckt spontan seinen Eigenbedarf.
Die goldene Stadt Kanchipuram erreichte ihre Glanzzeit im 4.-9. Jahrhundert nach Chr. als Hauptstadt der Pallava-Dynastie. Im 5. Jahrhundert brach der streitbare Mönch Bodhidharma von hier nach Kanton in China auf, um den Buddhismus zu verbreiten, der in seinem Ursprungsland Indien heute weit weniger Anhänger hat als das Christentum. (Vielleicht hat Bodidharma bereits damals gespürt, daß seine Lehre sich hier nicht durchsetzen wird.) Einer der mächtigen Pallava-Könige, fotografiert im Ekambaranatha-Tempel:
Kanchipuram ist nicht nur eine der der sieben heiligen Städte Indiens, sondern auch die unumstrittene Hauptstadt der Seidenherstellung. Dabei wird modernste mit traditioneller Technologie kombiniert. Die Muster entstehen am PC, der Schablonen generiert und stanzt, die am Webstuhl eingesetzt werden.
Um die wertvollsten Saris herzustellen, wird feine Seide mit Goldfäden verwoben. Diese beiden Damen beraten gerne bei der Auswahl!
Uralte Legenden erzählen, daß in Mamallapuram sieben Pagoden standen, aber: the god Indra became jealous of this earthly city, and sank it during a great storm, leaving only the Shore Temple above water (Wikipedia). Jener Tempel ...
... ist heute Weltkulturerbe, aber von den anderen sechs Pagoden gab es keine Spur, so daß die alte Legende von den sieben Pagoden von Archäologen in das Reich der Fabel verwiesen wurde - obwohl die Einheimischen darauf bestanden, that at least some of the other temples can be seen “glittering beneath the waves” from fishing boats (Wikipedia).
Bei dem großen Tsunami 2004 geschah nun das Wunder: Zwischen den drei großen Wellen des Tsunamis war der Ozean bis auf den Grund vom Wasser freigelegt, und die Augenzeugen trauten ihren Augen nicht: Some structures and rocks, perhaps the components a of a complex [...] came into view when the sea initially receded from the shoreline before the waves hit back with brute force on December 26, according to accounts provided by eyewitnesses today. But these objects were promptly submerged when the waves came back. (The Hindu, 29.12.2004)
Obwohl die Tempelüberreste sofort wieder in den Wellen verschwanden, hatte der Tsunami die Unterwasser-Ruinen gründlich vom Sand frei gespült. Wir fahren mit einem Fischerboot bei starken Wellengang zu den Ruinen, und tatsächlich - sie tauchen regelmäßig in der Gischt zwischen den Wellen auf!
Ein großes Felsengelände in Mamallapuram - hier ein Blick auf den prominenten "Krishna's Butterball" ...
... diente im 7. und 8. Jahrhundert als Schule für den Bildhauernachwuchs. Unzählige Treppen, Säulen, Kammern, Brunnen, kleine Tempel und Reliefs wurden direkt in den Fels gehauen:
Das berühmteste ist das 27m x 9m große Relief, das später den Titel "Descent of the Ganges" erhalten hat:
Vor Ort wirkt es, als wäre es von den Meistern der Schule als Demonstration ihres Könnens und Werbung für die Schule angelegt werden. Heute herrscht auf dem Gelände reger touristischer Betrieb. Ost trifft West ...
... und die Tierwelt guckt zu.
Sechzig Kilometer südlich der indischen Großstadt Chennai (früher Madras), am Ozean, liegt die Kleinstadt Mamallapuram, mit ihren kleinen Gäßchen...
und Lädchen, die als Zielgruppe häufig westliche Touristinnen anpeilen.
Mamallapuram ist ein beliebtes Ausflugsziel der streßgeplagten Großstädter aus Chennai und besitzt ein Unesco-Weltkulturerbe, den berühmten Shore Temple (mehr dazu später). Aus einem Fenster des Tempels heraus halte ich eine bewegte Rede an die Schüler der siebten Klasse einer Schule in Chennai.