Als Besucher eines südindischen Hindu-Tempels...
... erhält man zuerst eine Schnelleinführung in das Pantheon der Hindu-Götter. Diese lautet (in der hiesigen Interpretation) wie folgt: Die drei großen Götter sind Brahma (Schöpfer), Shiva (Zerstörer des Bösen) und Vishnu (Beschützer). Ihre Frauen sind Saraswati, Parvati und Lakshmi. Shiva und Parvati haben zwei Söhne, Ganesh (mit dem Elefantenkopf) und Murugan. Shivas Reittier ist der Bulle Nandi. Vishnu hatte 10 Inkarnationen, darunter Rama und Krishna.
Brahma wird wenig verehrt, angeblich, weil er sich bei einem Wettbewerb mit Shiva und Vishnu um die "Krone des höchsten Gottes" nicht korrekt verhalten hat. Die meisten Tempel sind Shiva gewidmet, wie auch der älteste Tempel Kanchipurams Kailashanata, in dem dieses Bild Shivas erhalten ist (8. Jahrhundert):
In Indien ist die Bandbreite menschlichen Verhaltens besonders groß. Man findet extreme Aufdringlichkeit neben außerordentlicher Schüchternheit, und so fort. Das gilt insbesondere für all die Priester, Gurus und heiligen Männer.
Dieser gerissene Jünger Shivas veranstaltet ein buntes Spektakel mit Zaubersprüchen, Segnungen und Pülverchen, um anschließend reichlich würdelos ein üppiges Honorar einzufordern:
Dagegen bekommt man von dem älteren Herrn unten eine kompetente und ausführliche Führung durch den kleinen Vishnu-Altars des Tempels Varadharaja Perumal, einschließlich Erläuterung aller zehn Vishnu-Inkarnationen. Seit 40 Jahren begleitet er Besucher aus aller Welt durch den Altar und steht für ein Foto zur Verfügung: "My picture in many houses from Germany to Japan". Jetzt auch in einem Blog!