Die Naxi, die dominierende Bevölkerungsgruppe in Lijiang und Umgebung, haben eine eigene Sprache, Schrift, Religion, Musik und eine matriarchalische Gesellschaft. Obwohl Wissenschaftler sich erbittert streiten, was eine matriarchalische Gesellschaft wirklich ist, lohnt es sich sehr, darüber zu berichten.
Schon auf den ersten Blick stellt man in Lijiang fest, daß Frauen eine dominante Rolle spielen. Generell sind chinesische Frauen emanzipierter als westliche: bei den Naxi hat ihre Dominanz aber feste kulturelle Wurzeln. In der Naxi-Sprache verleiht der Zusatz von "Frau" Bedeutung, der Zusatz von "Mann" vermindert die Bedeutung. Zum Beispiel ist in Naxi "Stein-Frau" gleichbedeutend mit Fels, wohin gegen "Stein-Mann" einen Kieselstein meint. Die Naxi-Frau ist das Oberhaupt der Familie. Der Ehemann kommt nur zur Übernachtung zu seiner Ehefrau, und wohnt weiterhin bei seiner Mutter. Das Vermögen wird vererbt von der Frau auf die jüngste (!) Tochter. Die Männer werden ermuntert, nicht zu arbeiten, und so wird gesagt, daß die Heirat mit einer Naxifrau eine gute Lebensversicherung ist. In Lijiang sieht man die Männer vor den Läden Karten spielen, während die Ladenbesitzerinnen der Arbeit nachgehen. Die gehobenen Positionen sind meistens in Frauenhand: im besten Hotel der Altstadt sind nur Frauen in Leitungsfunktionen. Aber auch körperlich harte Arbeit muten sich die Frauen zu und schleppen mit gewaltigen Körben Lehmbrocken zur Tonproduktion.
Zwei der selbstbewußten Naxi-Frauen:
Junge Frauen tragen die traditionellen Kostüme hauptsächlich wegen des Tourismus, denn Lijiang ist eine moderne Stadt. Das Matriarchat hat sich schon aufgelöst in moderne gesellschaftliche Strukturen, wobei das Geschäftsleben aber durch die Frauen geprägt ist wie das unsrige durch die Männer.
Ein Naxi-Junge:
In entlegeneren Regionen wie dem Lugu-See ist das Matriarchat noch lebendig und wird von Anthropologen erforscht. Den Frauen der sehr exotisch anmutenden Bevölkerungsgruppe der Mosu, einer Untergruppe der Naxi, die in roter Bluse und weißem Rock in Einbäumen über den Lugu-See paddeln, wird gesellschaftlich akzeptierte Promiskuität nachgesagt. Das hat seine Schattenseiten: die Region ist eine Hochburg von Geschlechtskrankheiten und man berichtet mir, daß Prostituierte sich als Mosu verkleiden, um ihrem Geschäft ungestört nachgehen zu können. Die Männer der Mosu haben nur wenig Privatbesitz, tragen Cowboyhüte und reiten auf Ponys.
Von den Mosu wird gerne viel erzählt, von den ebenfalls in Nordwest-Yunnan lebenden Narzu weniger. Sie haben noch in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Reisende entführt und versklavt.
Die Naxi haben eine uralte Bilderschrift, die schwer zu erlernen ist und hauptsächlich für die religiösen Schriften der Naxi-Religion Dongba verwendet wird. Ein Naxi-Inschrift auf einem Gebäude in Lijiang:










