In den Bergen an der Grenze zu Burma (Myanmar), im südwestlichsten Zipfel Chinas, liegt das verschlafene Xishuangbanna. In China als Reisegebiet wegen des tropischen Regenwalds und der vielen bunten ethnischen Gruppen ("Minderheiten") etabliert, verirren sich nur wenige Ausländer hierhin.
Und, man muß sagen, durchaus zu Recht! In China ist Tourismus ein lärmendes und krachendes Spektakel. Die Minderheiten werden in einem für beide Seiten unwürdigen Ethno- und Kostümzirkus vorgeführt. Sogenannte traditionelle Tänze werden mit Megaphon und Vivaldi auf dem Synthesizer begleitet. Da reißt dem westlichen Besucher zwangsläufig früher oder später der Geduldsfaden.
Hat man sich wieder beruhigt, gibt es doch einiges zu entdecken. Die größte ethnische Gruppe - quasi die Minderheiten-Mehrheit - sind die Dai, die in dieser Gegend seit mehr als 2000 Jahren siedeln. Sie sind die verbliebenen Vorfahren der nach Süden abgewanderten Thai, denen sie durchaus ähnlich sehen.
Sowohl Sprache und Schrift der Dai sind mit dem Thailändischen verwandt. Die Dai sind Buddhisten und bauen typische Holzhäuser auf Stelzen:
Das Haus wird von der Mutter auf die Tochter vererbt. Möchte diese einen jungen Mann heiraten, muß er drei Jahre zur Probe im Haus der zukünftigen Schwiegereltern arbeiten, unter anderem ein Jahr Kautschuk sammeln.
Nach bestandener Probe und Heirat arbeitet er angeblich nicht mehr, und ist nur noch Hausmann. Diese Männer arbeiten durchaus und bauen ein Boot (um auf dem Mekong, der durch diese Gegend fließt, zu fischen).
Zum Mittagessen empfiehlt es sich, am Straßenrand erfrischende tropische Früchte zu kaufen. Es ist gerade Ananas-Saison.
Die Ananas kostet 2 Yuan (=20 Cents), eine Wassermelone 5 Yuan (=50 Cents). Auch sehr lecker: Mango, Papaya, Tamarinde.
Andere ethnische Gruppen haben bis in die jüngste Zeit unberührt von der Zivilisation als Jäger und Sammler gelebt, und wurden in ihren Baumhäusern erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckt.

Diese hier haben als Gruppe noch keinen Namen bekommen (angeblich, weil sie
mit nur 1000 Mitgliedern zu wenige sind). Sie sind noch viel kleiner als die Chinesen und etwas pummelig. Ich bin für sie ähnlich exotisch wie sie für mich. Die Mädchen befühlen interessiert meine Armbehaarung und zwicken mich in das eine oder andere Körperteil. Ihre Bemalung ist natürlich nur Show.
