Vor Guangzhou, im Perlfluß, liegt die kleine, von europäischen Kaufleuten im Kolonialstil bebaute Insel Shamian. Sie hat in ihrer Längsrichtung gerade einmal drei, von schönen alten Bäumen gesäumte Straßen.
Ursprünglich mußten sich die Europäer auf der Insel niederlassen, da sie das chinesische Festland nicht betreten durften. Sie erwarben hier Seide, Porzellan, Tee und andere Waren von den kantonesischen Händlern. Das einzige Produkt, das sie erfolgreich nach China absetzten, war Opium. Nachdem China den Opiumhandel verbot (nicht aus Sorge um die Gesundheit seiner Bürger, sondern mit Blick auf seine Staatsfinanzen und Handelsbilanz), kam es 1839 zum Krieg mit England - dem Opiumkrieg, den England gewann.
Unter den umgekehrten Machtverhältnissen war es den Chinesen jetzt verboten, die Insel zu betreten, die hauptsächlich von Engländern - hier die englische Kirche auf der Westhälfte ...
... und Franzosen bewohnt wurde - die französische Kirche auf der Osthälfte:
Vier Brücken verbinden Shamian mit dem Festland. Das Bild zeigt zwei dieser Brücken (links und rechts) bei Nacht.
Die Gebäude sind teilweise restauriert. Links die ehemalige britische Botschaft, rechts eine Privatresidenz.
Heute gibt es Hotels, Restaurants, Schulen und eine außerordentliche exotische Erscheinung: dicke amerikanische Ehepaare, die ihre frisch adoptierten chinesischen Waisenkinder im Kinderwagen herumkutschieren und für sie in einem der darauf spezialisierten Läden einkaufen.
Das scheint hier schon länger Brauch zu sein, denn der reichlich merkwürdige Anblick wurde bereits in Bronze verewigt.
Tatsächlich schmeichelt das Kunstwerk, denn die meisten der Amerikanerinnen sind noch weitaus dicker.